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Namensrecht in Äthiopien

10.02.2021 - Artikel

Äthiopisches Namensrecht

(Stand: Februar 2018)

 Alle Angaben dieses Merkblattes beruhen auf den Erkenntnissen und Erfahrungen der Botschaft zum Zeitpunkt der Abfassung des Merkblatts. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit, insbesondere wegen zwischenzeitlich eingetretener Veränderungen, kann keine Gewähr übernommen werden.

Die nachstehenden Informationen dienen nur der ersten Orientierung und sind nicht abschließend. Es wird empfohlen, konkrete Einzelfragen mit der deutschen Auslandsvertretung zu klären.

Das äthiopische unterscheidet sich grundlegend vom deutschen Namensrecht:

Im deutschen Recht führt eine Person einen oder mehrere Vornamen sowie einen Familiennamen.

Im äthiopischen Recht führt eine Äthiopierin bzw. ein Äthiopier eine Namenskette bestehend aus einem oder mehreren Vornamen, einem Vatersnamen und einem Familiennamen.

Namensführung von in Deutschland eingebürgerten äthiopischen Staatsangehörigen

Art. 47 EGBGB ermöglicht Personen, die ihren Namen nach ausländischem Recht erworben haben und auf die nunmehr deutsches Namensrecht anwendbar ist, ihren Namen durch einfache Erklärung an das deutsche Recht anzugleichen. Von der Regelung profitieren z. B. Eingebürgerte.

Namensangleichungen, die vor Inkrafttreten des Artikels47 EGBGB am 24.05.2007 durchgeführt wurden, sind gesetzlich nicht geregelt und grundsätzlich nicht wirksam, es sei denn, die angeglichene Namensführung hat Eingang in ein deutsches Personenstandsregister (z. B. bei Anlegung eines Familienbuchs auf Antrag) gefunden und die Angleichung geht nicht über die in Art. 47Abs. 1 Satz 1 EGBGB genannten Fallgruppen hinaus. Es ist umstritten, ob für eine Verstetigung eines angeglichenen Familiennamens bei einer Einbürgerung vor dem 24.05.2007 daneben auch eine Eintragung in einen deutschen Pass oder Bundespersonalausweis ausreichend ist. Botschaft Addis Abeba - PO Box 660 - Addis Ababa - Äthiopien - Tel. +251-(0)11-1 23 51 39 – www.addis-abeba.diplo.de

Namensführung von Kindern

Für die Namensführung von Kindern ist unerheblich, ob das Kind ehelich geboren wird oder nicht.

Der Versuch des Gesetzgebers von 1960, im Zivilgesetzbuch einen Familiennamen nach westlichem Muster einzuführen, hat sich, insbesondere mangels eines flächendeckenden Personenstandswesens, zu keinem Zeitpunkt durchgesetzt. Anwendung findet vielmehr nach wie vor die traditionelle Praxis, einen einzigen Namen gleichzeitig in der Funktion eines Vornamens wie eines Nachnamens nach westlichem Verständnis zu verwenden, mit welchem der Namensträger gleichermaßen im privaten wie im amtlichen Verkehr angeredet wird. Zur Unterscheidung zwischen Trägern des gleichen Namens tritt der Eigenname des Vaters hinzu, und auch derjenige des Großvaters kann hinzugefügt werden, ohne dass letztere die echte Funktion eines westlichen Familiennamens hätten. Auch die Eintragung eines „Familiennamens“ in äthiopische Reisepässe ist lediglich eine Anpassung an westliche Gepflogenheiten, bedeutet jedoch nicht, dass das äthiopische Namensrecht Vor- und Nachname nach westlichem Verständnis kennt.

Bei der Beurkundung der Geburt eines Kindes, dessen Eltern sowohl die deutsche wie auch die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzen, ist das Ziel zu beachten, einen Vor- und einen Familiennamen nach westlichem Verständnis zu bestimmen.

Häufig wünschen sich Eltern, deren Kind auch die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzt, einen auf den Vater ausgerichteten Familiennamen.

Sofern der Vater einen Familiennamen nach westlichem Verständnis besitzt, ist dies unproblematisch.

Sofern der Vatersname eines Vaters gewählt werden soll, der einen Namen nach äthiopischem Recht besitzt, kommt eine Namenserklärung nach § 1617 BGB in Verbindung mit Art. 47 Abs. 2 EGBGB in Betracht. . Da die Rechtsauffassung hier jedoch nicht einheitlich ist, ist es möglich, dass ein deutscher Standesbeamter eine solche Namenserklärung nicht akzeptiert.

Ehename

Ein dem deutschen Ehenamen vergleichbaren Namen kennt das äthiopische Recht nicht. Nach der Eheschließung behalten beide Ehegatten den bisher geführten Namen bei. Eine Änderung des Familiennamens eines Ehegatten hin zum Ehenamen kann durch Gerichtsbeschluß herbeigeführt werden.

Mangels Familiennamens des äthiopischen Ehepartners können ein deutscher und ein äthiopischer Ehegatte keine für den deutschen Ehegatten wirksame Erklärung zur Bestimmung eines Namens des äthiopischen Ehegatten als gemeinsamen Ehenamen abgeben.

Eine Namenserklärung, mit der der Familienname des deutschen Ehegatten zum Ehenamen bestimmt wird, wirkt sich für in der Ehe geborene Kinder jedoch dahingehend aus, daß diese den Ehenamen automatisch als Geburtsnamen erhalten.

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